25. Juni 2026
Es war unmittelbar nach den Frühlingsferien, als einer meiner besonders begleiteten Schüler einer 2. Klasse und ich ein Beet im Schulgarten übernahmen. Wir pflanzten Fenchelkraut und Rüebli, mit einem klaren Ziel: sie sollten Schmetterlinge anlocken, die gerne darauf ihre zarten, kleinen Eier ablegen. Wir hatten uns vorgängig auch gemeinsam lesend informiert, dass dies ausschliesslich Schwalbenschwänze sein würden, die Fenchel- und Rüeblikraut so sehr mögen.
Kaum gedieh das Kraut, leuchteten auch schon eines Morgens 7 orange, kugelrunde kleine Eier an den filigranen Krautstengeln. Die räuberischen Ameisen holten sie zwar genau so schnell, aber zum Glück klappte es dann doch noch. Wir stellten in kleinen Vasen frisches Fenchelkraut mit zwei inzwischen geschlüpften kleinen Raupen in einen zusammengesteckten Raupenkasten. Nun beobachteten wir Tag für Tag staunend, wie sich diese Räupchen hungrig über das Kraut hermachten und dabei immer grösser, bunter und schöner wurden.
Als wir eines Montags, nach einem warmen Sommerwochenende anfangs Juni, wieder in die Schule kamen, hatten sich beide Raupen verpuppt. Mit feinen Fäden hing die eine von der Decke des Raupenkastens, die andere hatte sich an einer Seitenwand festgeklebt. Unter der einen verpuppten Raupe lag noch die letzte, bunte Haut, die sich die Raupe abgestreift hatte.
Nun brauchte es kein Fenchelkraut mehr, nur noch Geduld. Von aussen war nichts von der unglaublichen Verwandlung zu sehen, die jetzt in diesem Kokon vonstattenging und wir waren gespannt…
Zunehmend machten wir uns Gedanken darüber, was die Schmetterlinge wohl brauchen, wenn sie ausgerechnet an einem Wochenende schlüpfen. Wir stellten eine kleine Schale mit Zuckerwasser auf den Raupenkastenboden und hofften, dass alles gut gehen möge. Und tatsächlich: am vergangenen Montag erwartete uns der erste geschlüpfte Schwalbenschwanz in seiner ganzen Pracht! Wir trugen den Raupenkasten freudig aufgeregt in den Schulgarten. Bevor wir den Schmetterling aber fliegen liessen, wünschte sich mein Schüler ganz im Stillen etwas Besonderes für sich und den Schmetterling. (Es bleibt sein Geheimnis ). Dann öffneten wir den Raupenkasten und der wunderschöne Schmetterling flatterte hinaus in die morgendliche Sonne.
Über die Mittagsstunden schlüpfte dann auch der zweite Schmetterling. Welch erstaunlicher, zauberhafter Vorgang!
Zusammen mit den «Grossen» von Frau Clavadetschers Kindergartenklasse trugen wir den Raupenkasten erneut in den Garten, um den Schmetterling davon fliegen zu sehen. Dieser liess sich noch etwas Zeit und krabbelte ganz langsam in die Freiheit, wo er erst einmal seine Flügel in ihrer ganzen Schönheit auffaltete. Das andächtige «Oooh!» der Kinder war unbeschreiblich berührend. Dann gaukelte der Schmetterling davon, hinauf in die Krone des Kirschbaums und hinaus in den Sommer.
«Machs guet! Das Wunder vergässed mir nid so schnäll!»

Text und Bild: Maja Zimmermann

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